Wohnungssuche für anerkannte Flüchtlinge stellt ein großes Problem dar

In den oberen Geschossen des Personalwohnhauses an der Krankenhausstraße sollen bald eine Gruppe „Betreutes Wohnen“ sowie eine Gruppe „Selbstständige Jugendliche“ einziehen. Diese werden vermutlich zwischen 16 und 18 Jahre alt sein. (Foto: al)

3. „Runder Tisch" zu Asyl – Unterbringung im Personalwohnheim des Krankenhauses

Derzeit sind in Mallersdorf-Pfaffenberg 120 Asylbewerber untergebracht. Diese Zahl wird noch erheblich ansteigen, wie bei der letzten Zusammenkunft, einem „Runden Tisch" für alle in Asylfragen befassten Personen, im Rathaus bekanntwurde. Bei dem Treffen wurden die Ist-Situation und auch künftige Planungen gemeinsam erörtert.

Bürgermeister Karl Wellenhofer erläuterte eingangs die aktuellen Daten. Derzeit sind in Mallersorf 110 Personen untergebracht. Nach dem Ausbau des Dachgeschosses in der Gemeinschaftsunterkunft in der Marktstraße werden 30 weitere dazu kommen. Außerdem werden im September 20 bis 25 unbegleitete Minderjährige in das Personalwohnheim neben der Klinik in Mallersdorf einziehen. Die Jugendlichen werden tagsüber von einem Sozialdienst betreut. In der Nacht wird ein Sicherheitsdienst vor Ort sein.

So wie es aussieht, wird wohl auch die „alte Resista" im Pfaffenberger Zentrum zu einer Gemeinschaftsunterkunft ausgebaut werden. 130 Asylbewerber sollen dort Platz finden. Problematisch, so der Bürgermeister, wird auch die Suche nach Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge, wenn sie die Gemeinschaftsunterkunft verlassen müssen. Bürgermeister Wellenhofer berichtete von den enormen Schwierigkeiten, welche der Nachzug von syrischen Familienangehörigen aktuell mit sich brachte. Der Familienvater, zuletzt in Mallersdorf, wurde anerkannt und während der Sitzung kamen die Ehefrau und vier Kinder vor dem Rathaus an. Auf die Schnelle musste dann ein Quartier gefunden werden, da dies trotz intensiver Bemühungen in den vergangenen vier Wochen nicht gelungen war. Ein Privatmann nahm dann die Familie auf. Bürgermeister Wellenhofer verwies auf das große Problem, dass die Familie ausreisen darf, obwohl keine gesicherte Wohnung gegeben war.

Sachbearbeiter Sonderhaus von der Regierung von Niederbayern hatte einige Zahlen und Fakten parat. Er vermeldete unter anderem, dass die Zahl der Asylsuchenden von 2014 auf 2015 um 73 Prozent gestiegen sei. Der Landkreis Straubing-Bogen muss acht Prozent der Asylbewerber von ganz Niederbayern aufnehmen. Mittlerweile mietet die Regierung keine Gemeinschaftsunterkünfte mit weniger Platz als für 100 Asylbewerber mehr an. Teilweise werden sogar Gebäude mit Unterbringungsmöglichkeiten für 200 bis 250 Personen gesucht.

Lob seitens der Regierung

Sonderhaus lobte ausdrücklich den Markt für die gute Beratung und Unterstützung der Asylbewerber und freute sich, dass die Gemeinschaftsunterkunft in Mallersorf „so gut läuft". Bürgermeister Wellenhofer kam in diesem Zusammenhang auf die Problematik der vielen Fehlalarme zu sprechen. Bereits 19 Mal musste die Feuerwehr ausrücken. Diesbezüglich müsse sich etwas ändern, forderte der Bürgermeister mit Nachdruck.

Der Dank von Sonderhaus galt auch den Ehrenamtlichen in der Marktgemeinde. Sozialberaterin Danner von der Caritas bedauerte, dass die Vorgabe nicht mehr eingehalten werden kann, wonach auf eine Vollzeitkraft 150 Asylbewerber kommen. Es werden noch weitere Kräfte gesucht, was schwierig ist.

Die Kindergartenleiterinnen Geith und Krippner informierten dahingehend, dass in Pfaffenberg drei Asylbewerberkinder betreut werden und in Mallersdorf sechs.

Konrektorin Schneider von der Grund- und Mittelschule Sankt Martin gab bekannt, dass sich derzeit in der Grundschule neun Asyl-Kinder befinden und weitere drei für das kommende Schuljahr angemeldet werden. Auch in der Mittelschule werden bereits drei Kinder unterrichtet.

Bürgermeister Wellenhofer verwies in diesem Zusammenhang auf die Bildung einer Kombiklasse in der 1. und 2. Jahrgangsstufe in der Grundschule. Er hat dafür keinerlei Verständnis, wenn man auf der anderen Seite immer mehr Asylkinder betreuen muss. Generalvikarin Schwester M. Melanie Gollwitzer vom Kloster Mallersdorf bestätigte, dass in der Ferstlstraße gerade ein klostereigenes Gebäude in ein Haus für traumatisierte Frauen und Kinder umgebaut wird. In diesem können maximal zwölf Frauen und Kinder aufgenommen werden.

Projekt „Alte Resista"

Fritz Müller sen. ging auf den angedachten Umbau der „alten Resista" ein und stellte in Aussicht, ein Konzept zu schaffen, welches den Asylbewerbern ein menschenwürdiges Leben in dieser Unterkunft ermögliche. Ein Kinderspielplatz gehört für ihn dazu.

Polizeihauptkommissar Ludwig Peintner von der Polizeistation stellte heraus, dass man mit der derzeitigen Situation aus der Sicht der Polizei zufrieden ist. Es gibt kaum Straftaten oder Auffälligkeiten, außer Streitigkeiten untereinander.

Die Heimleiter Leupolt und Hort betonten, dass das Zusammenleben im Asylbewerberheim relativ ruhig und diszipliniert abläuft.

Josef Stadler, der zusammen mit anderen Personen seit zwei Jahren ehrenamtlich als pensionierter Lehrer Deutschkurse gibt, berichtete über die Besucherzahlen. Er gab bekannt, dass es nur noch 18 bis 20 Asylbewerber sind, die den Unterricht besuchen. Der Kurs des Berufsförderzentrums im Herbst 2014 hat dazu geführt, dass viele Asylbewerber die freiwilligen Kurse nicht mehr angenommen haben, da sie sich von dem „BFZ-Diplom" bessere Einstiegschancen in das Berufsleben erhoffen.

Die ebenfalls ehrenamtlich tätigen Damen Limmer, Franzke und Wühr erzählten von ihren Aktivitäten. Sie halten einmal wöchentlich eine Teestunde für Asylbewerber im Pfarrheim Mallersdorf ab. Dies ist nach ihrer Ansicht aber nicht genug. Sie forderten in den jetzigen Unterkünften einen Gemeinschaftsraum. Dem widersprach aber Heimleiter Leupolt, der dann Unruhen befürchtet. Regierungsrätin Aumer vom Landratsamt Straubing-Bogen informierte über die Arbeit des Ausländeramtes. So konnte man erfahren, dass unbegleitete, minderjährige Asylbewerber grundsätzlich erst in Notunterkünfte gebracht werden. Dort werden sie „gecleant". Dies bedeutet, dass man sie beobachtet, um heraus zu finden, wie selbstständig sie sind. Von seinen Erfahrungen auf der Suche nach Wohnungen für anerkannte Flüchtlinge gab Sachbearbeiter Walter Barth vom Sozialreferat des Rathauses Auskunft. Man konnte erahnen, wie mühsam diese Arbeit ist. Bürgermeister Karl Wellenhofer sprach die seiner Meinung nach nicht eindeutige Gesetzeslage beim Familiennachzug an und bat Regierung und Landratsamt um eine verbindliche rechtliche Abklärung sowie um mehr Unterstützung. Außerdem forderte er mehr Solidarität und eine gerechtere Verteilung auf den ganzen Landkreis ein. Mit der Bitte, dass sich alle Beteiligten wie bisher um die Asylbewerber kümmern, schloss er die Diskussionsrunde.